Aus dem Stammbaum meiner Linie ergeben sich vor allem drei
Lebensschwerpunkte:
Die ältesten bekannten Lichts stammen aus
Thüringen, aus dem Dreieck Siegelbach,
Heyda, Dörnfeld,
südlich von Arnstadt, am Fuße des Thüringer Waldes. Uraltes Kulturland. das mit illustren
Namen verbunden ist: Goethe, Bach, Luther, Reuter, Fröbel. Und Wagner ließ sich - so sagt
man -von der Landschaft zu seinem Tannhäuser inspirieren.
Nördlich und südlich des Thüringer Waldes, in dem im 15./16 Jahrhundert Bergbau betrieben
wurde, bildete sich ein Netz kleiner Städte mit kleinindustriellen Produktionsformen und
haarsträubenden Lebens- und Arbeitsbedingungen. Allerdings soll um 1450 jeder zweite Bürger
von Arnstadt seinen eigenen Weinberg(!) betrieben haben und in Thüringen soll es zu der Zeit
432 Orte mit Weinanbau gegeben haben.
Arnstadt ist die wohl älteste Stadt Thüringens, erstmals 704 urkundlich erwähnt, und
auch heute noch mehr als sehenswert. Um die Wende vom 15. zum 16 Jhdt. regierten hier die
sächsischen Wettiner (als Nachfolger der Ludowinger Landgrafen), die durch häufige
Erbteilungen ein Muster an Unübersichtlichkeit schufen. Aus dieser Kleinstaaterei gingen
schließlich acht Herzog- und Fürstentümer hervor, deren Territorien nach Abdankung ihrer
Regenten im neuen republikanischen Land Thüringen (1920) aufgingen.
Später bildete sich das östliche Brandenburg, bzw. die nördliche
Neumark als der
Lebensschwerpunkt
meiner Linie heraus. Die Neumark, brandenburgisch-preußische Provinz, östlich der Oder,
hier der Teil nördlich der Warthe und östlich von Landsberg (heute Gorzów Wlkp), die
Landkreise Friedeberg (heute Strzelce-Krajenskie), mit den für unsere Ahnen bedeutungsvollen
Orten
Hohenkarzig (östlich von Friedeberg, heute Gardzko),
Driesen (heute
Drezdenko), der Netzekreis mit
Filehne, weiter nördlich
Reetz (ca. 35 km
östlich von Staargard, heute Recz).
Kurfürst Frierich II. kaufte die Neumark 1455 vom Deutschen Orden. Unter Markgraf Johann I.
von Brandenburg-Küstrin war sie 1535-1571 von der Kurmark getrennt. 1618 fällt das
Herzogtum Preußen an Brandenburg. Von 1640-1688 herrschte Friedrich Wilhelm I., der Große
Kurfürst von Brandenburg. Er besiegt 1675 die mit Frankreich verbündeten Schweden, die in
die Mark Brandenburg eingefallen waren.
Es war ein weiter Weg - damals - von Thüringen nach Reetz, wo Johann Gottlieb als
"kurfürstlicher Vogt" auftauchte. Kam er wirklich aus Thüringen? War er wirklich der Sohn
des Schneiders Caspar Liecht aus Heyda? Wurde aus dem Sohn eines braven Schneiders ein
kurfürstlicher Vogt, womit er für sich und seine Nachkommen einen bedeutungsvollen Sprung
in der gesellschaftlichen Stellung macht? In wessen Diensten stand er? Was war ein Vogt?
Wenn er denn letztlich im Dienste des Großen Kurfürsten stand: hat er von Seiner Durchlaucht
die Erlaubnis zum Führen eines Wappens erhalten?
Von dort verlagerte sich der Lebensschwerpunkt südlich nach Fraustadt (heute Wschowa, ca. 27 km nordöstlich von Glogau/Glogow) und Posen bzw.
Schlesien. (Ein treffendes Beispiel, wie schnell sich eine Sippe verbreiten kann).
Schlesien kommt unter Karl IV. (1346-1378) an Böhmen, zum Kernland des damaligen Deutschen
Reiches. Zu Preußen kommt es 1742 (Frieden von Breslau), als Östereich die wesentlichen
Teile Schlesiens an Preußen abtritt. Friedrich II (der Große) von Preußen hatte gleich zu
Beginn seiner Regentschaft ohne diplomatische Vorbereitung und ohne Rechtsgrundlage
Schlesien besetzt (schlesischer Krieg 1740-1742), gestützt auf einige alte, aber umstrittene
Ansprüche der Hohenzollern auf wesentliche Teile des österreichischen Schlesiens.
In Niederzedlitz bei Fraustadt - heute Siedlnica - haben mehrere Generationen meiner Vorfahren
gelebt und sollen dort sogar ein Rittergut besessen haben (siehe Georg Siegfried Gottlieb
Licht - Linie O, I).